Objektiv gesehen
Sie kennen mehr Flugzeugtypen als so mancher Pilot, sind weltweit vernetzt und warten oft tagelang mit ihren Kameras an Airports. Im Visier: seltene Flieger. Ein Besuch bei Planespottern in Hamburg
Das Hobby verbindet
Affenfelsen, 7 Uhr. Ein Aussichtspunkt am Flughafen Hamburg. Knapp 200 Menschen stehen im Regen und beobachten Himmel und Landebahn. „Mein HSV-Herz blutet, mein Herz als Spotter macht Freudensprünge, sagt Olav Gröning, einer von ihnen. Es ist der 12. Mai, Europa-League-Endspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Fulham, der die Hamburger Kicker im Halbfinale aus dem Wettbewerb schoss. 73 Sonderflüge bringen die Fans in die Hansestadt. In Maschinen, die sonst nie in Hamburg landen. 840-mal drückt Olavs Vater Helmut Gröning heute auf den Auslöser.
Bis in die dritte Reihe parken ihre Autos, davor drängen sich die Plane-spotter am Geländer, Profikameras von Nikon oder Canon fest in der Hand. Moderne Sammler und Jäger, auf der Pirsch nach seltenen Fliegern. Aus Dänemark, den Niederlanden, Berlin oder Düsseldorf reisen sie dafür an, machen blau, haben sich krank gemeldet („Der Arzt hat mir viel frische Luft empfohlen“) oder Urlaub genommen, schwänzen die Schule – für den perfekten Schuss. Lange Objektive baumeln vor Bäuchen; kaum einer, der nicht einen Kopfhörerknopf im Ohr hat, um den Funkverkehr zwischen Piloten und Tower mitzuhören.

- Passiert nicht oft, aber kommt vor: Wer mal einen Flieger nicht erkennt, hat das Bestimmungsbuch in der Tasche.
Im Coffee To Fly, der Imbissbude auf dem Hügel, die heute das Geschäft ihres Lebens macht, haben Spotter zwei Notebooks aufgebaut. Auf einem läuft ein Radar, das andere zeigt über das mobile Internet Flugbewegungen an. „Er hat sich mit ‚Bonjour‘ gemeldet, gleich landet ein Franzose“, ruft Gröning senior, der mit Olav ein Internetforum für Planespotter betreibt. „Drei Millionen Klicks, Anfragen nach Bildern kommen sogar aus Australien“, sagt der Sohn.
Die zwei sind nicht allein. Eine lockere Interessengemeinschaft, kein Verein, sagt Helmut Gröning, das sei ihm wichtig. „Wir sehen unser Hobby sehr entspannt, es geht uns vor allem um den Spaß an der Sache.“ In seiner Gruppe stehen noch Pensionär Arthur Schuldt („Man kann auch Fotos von Gullydeckeln sammeln, ungefähr 600 verschiedene gibt es in Deutschland“); Günter („Nur mit t und ohne Haar“) Riedel und sein Sohn Marc, Schüler in der zehnten Klasse. Beide sind um ein Uhr nachts im westfälischen Hamm los, um rechtzeitig am Airport zu sein. Und das Rentnerpaar Jutta und Günther Jakob („Wir machen gerne Urlaub in der Nähe von Flughäfen“). Sie knipst, er notiert die Kennnummer der Maschinen. Im Winter wird alles archiviert.
Flug, schau, wo!
Objekt der Begierde
Je mehr unterschiedliche Airlines, desto besser. Besonders seltene Flieger wie Regierungsflugzeuge oder die Antonov -An-225 sind beliebt. Russische Flugzeugtypen sind generell gefragt, weil sie ausgemustert und rar werden. Auffällige Bemalungen, Sonderlackierungen oder Werbe- und Charterflugzeuge mit wechselnden Bemalungen werden auch gern geknipst. Und neue Flugzeugtypen wie die A380, die zurzeit nur bei fünf Airlines im Einsatz ist. Nachdem zuletzt Lufthansa das weltgrößte Passagierflugzeug in den Dienst ihrer Flotte gestellt hat, wartet die Planespotter-Szene nun darauf, dass weitere Airlines nachziehen.
Der perfekte Schuss
Flugzeugtyp, Bemalung, Seriennummer, Gesellschaft und Registriernummer sollten zu erkennen sein. Am besten schräg von vorn fotografieren und bei gutem Licht.
Orte zum Abheben
Beliebter Platz in Frankfurt: Autobahnabfahrt A5 Zeppelinheim, nächste Straße links, parken, wenige Gehminuten bis zur Fußgängerbrücke mit Sicht auf die Landebahn 25L bzw. 25R. Der „Affenfelsen“ am Airport Hamburg liegt am Bistro Coffee To Fly, Holtkoppel 100. Der „Schlickhügel“ befindet sich schräg hinter der Aussichtsbrücke beim Airbus-Werk Finkenwerder entlang der Straße Neßdeich. In München: am Ende der Amalienstraße, Hallbergmoos.
Mehr Informationen über das Planespotting und Anfahrtsbeschreibungen zu den besten Plätzen im Internet unter:
