50 Jahre Düsenluftverkehr
1960 startet Lufthansa ins Jet-Zeitalter
„Wie der Umstieg vom VW-Käfer in einen Sportwagen“ – so beschrieb Lufthansa Pilot Werner Utter das neue Fluggefühl im Düsenzeitalter. Ein Gefühl, dass er als einer der Ersten erleben durfte. Zusammen mit Rudolf Mayr flog der spätere Chefpilot und Lufthansa Vorstandsmitglied am 2. März 1960 die erste Boeing 707 für Lufthansa nach Deutschland. Um 11.51 Uhr setzte die „Oscar Bravo“ – ihr vollständiges Kennzeichen war D-ABOB – in Hamburg auf. Neun Stunden und 47 Minuten hatte das Düsenflugzeug für die rund 8.100 Kilometer lange Strecke gebraucht. Das Düsenzeitalter hatte begonnen, für Lufthansa und für Deutschland.
Am 17. März absolvierte die im Oktober 1960 auf den Namen „Hamburg“ getaufte „Oscar Bravo“ den ersten Lufthansa Direktflug von Hamburg-Fuhlsbüttel nach New York. Knapp zwei Wochen später, ab dem 1. April, starteten Lufthansa Maschinen in Frankfurt täglich zu Flügen in die USA. Der Rhein-Main-Flughafen war zur Lufthansa-Basis für den Interkontinentalverkehr geworden.

Bislang waren ausschließlich Propellermaschinen mit Kolbenmotoren wie die Lockheed Super Constellation im Transatlantikverkehr im Einsatz gewesen. Die neuen Triebwerke der Düsenjets halbierten die Reisezeit von bisher 17 auf achteinhalb Stunden. Sie verdoppelten die mögliche Passagierzahl auf bis zu 168 Passagiere. Und sie bescherten den Fluggästen auch eine weitgehend vibrationsfreie Reise über den Wolken. Hatten vor dem Eintreffen der ersten Boeing 707 in Hamburg noch Schilder vor „dem heißen Gasschweif“ und „dem Sog am Lufteintritt“ gewarnt, gewöhnten sich die Passagiere schnell an das technische Novum und Lufthansa baute ihre Jet-Flotte kontinuierlich aus. Am 3. März 1971 trat das letzte Propellerflugzeug der Lufthansa, eine Vickers Viscount, seine letzte Reise an.
Wussten Sie, dass
… ein Triebwerk keine Turbine ist? Die Turbine ist nur ein Teil des Triebwerks – sein Motor.
… das kleinste Düsentriebwerk der Lufthansa Flotte zum Avro RJ85 der CityLine gehört? Das „Textron Lycoming LF507-1F“ hat einen Schub von 31,14 Kilonewton.
… das größte Düsentriebwerk der Lufthansa Flotte mit dem Airbus A380 kommt? Das Triebwerk „Trent 900“ ist zertifiziert für einen Schub bis zu 356 Kilonewton und hat einen Rotordurchmesser von 2,946 Meter.
… in der Lufthansa Zentrale der Triebwerksüberholung in Hamburg knapp 2.000 Techniker arbeiten?
… der erste Langstreckenjet der Lufthansa, die Boeing 707, auch das erste „Taufkind“ der Lufthansa war? Die „Oscar Charly“ erhielt am 16. September den Namen „Berlin“. Taufpate war der damalige regierende Bürgermeister Willy Brandt. Auf dieses Ereignis im September 1960 geht die Tradition zurück, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen. Ebenfalls am 16. September 1960 wurde die „Oscar Delta“ auf den Namen Frankfurt am Main getauft.
… die letzte Boeing 707 D-ABUF bei Lufthansa am 7. Mai 1984 nach 24 Jahren ihren Dienst einstellte?
Lufthansa und Boeing
Ende der fünfziger Jahre unterschrieb Lufthansa den Kaufvertrag für ihre ersten vier Düsenflugzeuge B707. Fast auf den Tag genau 50 Jahre später unterzeichneten die Airline und Boeing einen weiteren wegweisenden Vertrag: Lufthansa hat als Erstkunde 20 Passagierjets vom Typ Boeing 747-8 bestellt und wird die weltweit erste Passagefluggesellschaft sein, die das neue Großraumflugzeug einsetzt.
